change.hub bei Flügel CSS
Im Bergischen Städtedreieck wird ein erheblicher Teil der industriellen Fertigung bis heute in handgeführten Arbeitsgängen ausgeführt. In diesem über Jahrzehnte gewachsenen Erfahrungswissen liegt eine besondere Stärke der Region und zugleich eine Herausforderung, denn solche Prozesse lassen sich nur schwer automatisieren. Genau hier setzt das Projekt change.hub an, an dem die Forschungsbereiche Industrial Deep Learning (IDL) und Human-Centered Transformation am TMDT mitarbeiten.
Ziel von change.hub ist es, die metallverarbeitende Schneidwaren- und Werkzeugindustrie der Region bei der Transformation zu unterstützen, durch praxisnahe Automatisierungslösungen auf Basis sensorbasierter Verfahren und sensitiver Robotik. Der Forschungsbereich IDL entwickelt dazu KI-Demonstratoren und Prototypen, die komplexe, kontinuierliche Sensordaten mittels maschinellem Lernen und tiefen neuronalen Netzen für die Prozesssteuerung nutzbar machen. Regionale Unternehmen erhalten die Möglichkeit, die Integration von KI-gestützter Sensorik und Robotik für ihre individuellen Fertigungsprozesse in den Testumgebungen des Projekts risikoarm zu evaluieren, bevor eigene Investitionen erfolgen.
Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis beginnt, zeigte ein gemeinsamer Termin bei der Flügel CSS GmbH & Co. KG in Solingen. Das inhabergeführte Unternehmen steht mit über 100 Jahren Erfahrung für höchste „Made in Solingen“-Qualität; sein Leistungsspektrum umfasst die Herstellung von Wetzstählen und Messerschärfsystemen als OEM für namhafte Marken der Schneidwarenindustrie, das Stanzen von Schneidwarenrohlingen sowie das Lohnhärten. Im Mittelpunkt des Besuchs stand ein Interview zur Analyse des aktuellen Automatisierungsgrads, zur Ermittlung des konkreten Bedarfs und zur Identifikation von Synergien mit weiteren Unternehmen der Region. Für IDL führte Yannik Hahn das Gespräch. Bewusst ging es dabei noch nicht um fertige Lösungen, sondern um den ersten und entscheidenden Schritt: zunächst den realen Fertigungsprozess zu verstehen und erst darauf aufbauend die geeignete Methode zu wählen. Dieses Vorgehen ist Voraussetzung dafür, dass die entwickelten Lösungen am Ende im produktiven Betrieb tragfähig sind.
Der Besuch bei Flügel CSS ist ein erster Anwendungsfall; weitere Unternehmen der Region werden folgen. change.hub wird gemeinsam mit der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH als Konsortialführerin, der Bergischen Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid und der Bergischen Universität Wuppertal umgesetzt.
Das Projekt change.hub wird mit Mitteln der Europäischen Union finanziert und durch das Land Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW) gefördert.